Wissenswertes 

Die Besteigung der Jungfrau am 3. August 1811

Am 29. Juli 1811 reisten die Gebrüder Johann Rudolf und Hieronymus Meyer aus Aarau über die Grimsel ins Lötschental. Begleitet von den zwei Walliser Gemsjägern und Bergführern Joseph Bortis und Alois Volken, einem Träger aus Guttannen, und drei ihrer Leute aus Aarau gelangten sie am 1. August über die Lötschenlücke auf den Grossen Aletschfirn. Ausgerüstet waren sie mit Lebensmitteln, Holz, einer zusammenlegbaren Leiter, Stangen und Seilen. Die drei Dienstleute wurden wieder zurückgeschickt, da sie zu ängstlich und des Bergsteigens ungewohnt waren. Die anderen erreichten den Fuss des Kranzberges, wo sie ihr Nachtlager aufschlugen.

Am nächsten Tag frühmorgens brachen sie auf und stiegen den Jungfraufirn hinauf. Da der Gletscher an einigen Stellen stark zerklüftet war, mussten sie für das Weiterkommen die Leiter gebrauchen. Als sie den Jungfraugipfel vor sich hatten, brach ein Föhnsturm aus und sie mussten unverrichteter Dinge zurückkehren.

Den Nachmittag nutzten sie zur Erkundung des Ewig Schneefälds und des Grüneggfirns. Gegen Abend schlugen sie das Nachtlager bei der Mittelfluh, dem südlichen Ausläufer des Trugbergs, auf. Am Morgen des 3. Augusts brachen sie zu viert auf, um einen erneuten Versuch, die Jungfrau zu besteigen, zu starten. Die Vier überquerten den Jungfraufirn und stiegen die steilen und vereisten Hänge zum Rotthalhorn hinauf. Mit Hilfe eines Seils, das sie an einem tief in den Schnee gestossenen Stock befestigten, glitten sie den Eisgrat zum Rotthalsattel hinab und erreichten diesen um acht Uhr. Nur mit Mühe, halb sitzend, halb kletternd, überwanden sie den zugespitzten Eiskamm, der zum Gipfel führt, links und rechts in den Abgrund blickend. Nachdem sie einen tiefen Firnschrund überquert haben, standen sie nachmittags um zwei Uhr auf dem Gipfel.

Johann Rudolf Meyer (1739–1813) war nicht nur ein begeisterter Alpinist, sondern auch ein erfolgreicher Seidenbandfabrikant. Zusammen mit dem Geometer Johann Heinrich Weiss gab er zwischen 1796 und 1802 den «Atlas Suisse», das älteste auf graphischer Triangulation beruhende Kartenwerk, das die ganze Schweiz umfasst, heraus. Der Atlas beinhaltet 16 Karten im Massstab 1: 120‘000.