Wissenswertes 

Vom Tragsessel zur Seilbahn

Die Beherbergung der zumeist vermögenden Gäste war nicht die einzige Herausforderung für den keimenden Tourismus in der Welterbe-Region. Ebenso hohe Ansprüche stellte die Klientel bei der Fortbewegung: Sie war sich den Komfort und die Bequemlichkeit gewohnt, den Kutschen, Schiffe und Eisenbahnen mit sich brachten. Alle diese Verkehrsmittel taugten in der Bergwildnis nicht. Daher behalf man sich mit anderen Mitteln. 

 

In Naters etwa kamen Tragsessel zum Einsatz. Sie standen allen Gästen zur Verfügung, die nicht zu Fuss oder auf dem Maulesel zur Belalp hochsteigen mochten – und die über das nötige Kleingeld verfügten. Stolze 40 Franken kostete es, wenn man sich von vier Trägern die gut 1500 Höhenmeter vom Talboden zum Hotel Belalp hinaufschleppen liess. An schönen Tagen leisteten sich bis zu 50 Gäste dieses Vergnügen. Jedoch haben Sänfte und Tragsessel einen erheblichen Nachteil: Sie sind ein langsames Transportmittel mit geringer Kapazität. 

Mit gewöhnlichen Schienenfahrzeugen war den steilen Hängen im Welterbe-Gebiet nicht beizukommen. Doch mit Hilfe von Seilen und Zahnrädern konnten speziell konstruierte Eisenbahnen die Höhen erklimmen. 1890 wurden Lauterbrunnen und Grindelwald mittels Bergbahnen an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen, 1893 nahm die Wengeralpbahn die Verbindung vom Tal auf die Kleine Scheidegg auf. Im gleichen Jahr erklärte der Zürcher Industrielle Adolf Guyer-Zeller, eine Zahnradbahn von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch hindurch bis zur Jungfrau bauen zu wollen. Das kühne Projekt wurde trotz gewaltiger technischer Herausforderungen und grosser finanzieller Probleme realisiert. Dass die Endstation entgegen der ursprünglichen Absicht nicht auf dem Gipfel der Jungfrau liegt, sondern etwas weiter unten auf dem 3454m hohen Jungfraujoch, beeinträchtigt den Erfolg nicht: Die Jungfraubahn erschliesst mit dem «Top of Europe» eines der attraktivsten Ausflugsziele der Alpen und gilt als profitabelste Bergbahnunternehmung der Schweiz.