Wissenswertes 

Der Glaube prägt die Landschaft

Der nördliche und der südliche Teil der Welterbe-Region weisen in landwirtschaftlicher Hinsicht manche Gemeinsamkeiten auf. Doch in einem Punkt unterscheiden sie sich fundamental. Im Wallis prägen zahlreichen Kirchen, Kapellen und Bildstöcke das Gesicht der Landschaft. Im Berner Oberland fehlen diese charakteristischen Elemente – abgesehen von den Dorfkirchen – völlig.

Der auffällige Gegensatz wurzelt in der Reformation. 1528 erklärte die Regierung Bern für reformiert: Klöster wurden aufgehoben, Heiligenschilder verboten, die Messe abgeschafft. Das Wallis hingegen blieb gemäss Beschluss des Landrats von 1604 beim katholischen Glauben; die Walliser Protestanten mussten dem neuen Glauben abschwören oder auswandern. Im Zuge der Gegenreformation kam es jedoch auch hier zu Veränderungen. So setzte sich etwa die Idee der Nah-Wallfahrt durch. In den Dörfern wurden prachtvolle Kirchen neu gebaut oder Vorgängerbauten umgestaltet. Ausserhalb der Siedlungsgebiete entstanden Kapellen und Bildstöcke als zusätzliche spirituelle Anziehungspunkte. Begünstigt wurde die rege Bautätigkeit durch den relativen Wohlstand, über den die Gegend im 17. Und 18. Jahrhundert dank Handel und Reisläuferei verfügte. In der Lust an Farben und Formen stellte er auch ein Lebensgefühlt dar. Gleichzeitig bedeutete er eine Machtdemonstration: Sakrale Architektur und kirchliche Prozessionen dienten der Abgrenzung gegenüber Andersgläubigen.