Wissenswertes 

Pioniere am Gletscherrand

Wie im ganzen Alpenraum sind auch die Gletscher im UNESCO-Welterbe in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Der Unteraargletscher büsste seit 1876 gegen 2,4 Kilometer an Länge ein; der Grosse Aletschgletscher verlor seit 1860 sogar mehr als 3 Kilometer. Damit beginnt der Überlebenskampf für Pflanzen in Etappen.

Die sterbenden Gletscher geben vorerst unfruchtbaren Boden frei, auf dem aber schon nach wenigen Jahren die Wiederbesiedlung beginnt. Zuerst fassen unscheinbare, aber ungemein genügsame Moose und Flechten Fuss; sie bereiten ersten Farbtupfern im eintönigen Graubraun den Weg: Alpen-Leinkraut, Moränenweideröschen, Bewimperter Steinbrech und andere Arten besiedeln nach und nach die unwirtlichen Gefilde und kämpfen mit einer verblüffenden Vielfalt von raffinierten Strategien um das Überleben am Gletscherrand. Diese Pioniere sind es, die Nährstoffe auf dem lockeren Moränenschutt einbringen und so den Boden anreichern. Die ersten Pionierpflanzen werden nach und nach von Sträuchern und dann durch Bäume abgelöst. Bis wieder Wald einwächst, kann es Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern. Diese Entwicklung, die in der Fachsprache Sukzession genannt wird, lässt sich besonders eindrücklich am Grossen Aletschgletscher beobachten und dank umfassenden Untersuchungen und deren Literatur nachvollziehen.