Wissenswertes 

Vielgestaltige Wälder

Die klimatischen Bedingungen prägen den Wald und so finden sich auf der Nord- und Südseite des UNESCO-Welterbes sehr unterschiedliche Waldtypen. Die Fichten bilden auf mittleren Höhenlagen auf beiden Seiten ausgedehnte und weitgehend geschlossene Bestände. Doch oberhalb und unterhalb der Fichtenstufe sind deutliche Unterschiede auszumachen.

Im Berner Oberland machen Laubwälder mit Buchen, Bergahorn, Esche und weiteren Laubbäumen den tiefer gelegenen Bestand aus. Die Laubbäume weichen mit zunehmender Höhe den Fichten. Auf der Walliser Seite fehlen die Laubwälder weitgehend. Dafür bestockt die Waldföhre die montane Stufe. Diese an sich nordische Baumart befindet sich im Wallis an der Grenze ihres Verbreitungsgebietes; darum reagiert sie empfindlich auf Hitze und Trockenheit und stirbt seit einigen Jahrzehnten grossflächig ab. Dort, wo die Waldföhre verschwindet, wird sie häufig durch die Flaumeiche ersetzt, die besser an die fast mediterranen Lebensbedingungen angepasst ist. Eine ausgesprochene Walliser Eigenheit sind die lichten Lärchen- und Arvenwälder, die oberhalb der subalpinen Fichtenwälder gedeihen. 

Der am Rand des Grossen Aletschgletschers gelegene Aletschwald steht seit 1933 unter absolutem Schutz. Die menschliche Nutzung wurde damals eingestellt, auch totes Holz bleibt liegen. Das Moderholz der abgestorbenen Bäume ist Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere. Pilze, Flechten, Moose, Zwergsträucher und immer wieder auch Jungbäume gedeihen auf dem Totholz – eine erstaunliche pflanzliche und tierische Vielfalt entsteht dank dieser «Unordnung». Die Leitbaumart des Aletschwaldes ist die Arve oder Zirbelkiefer. Dieser Baum wächst in Zeitlupe und erreicht dafür ein hohes Alter – bis zu 1000 Jahre zählen einzelne Arven. Sie gehören damit zu den ältesten Bäumen der Schweiz. Der hohe Anteil an ätherischen Ölen im Harz schützen den Baum und verstärken so seine Widerstandskraft.