Wissenswertes 

Im Reich der kärglichen Schätze

«Die Alpen sind reich an armen Erzvorkommen», heisst es. Der Spruch gilt auch für das Welterbe-Gebiet. Die Rohstoffbestände mögen gering sein, aber sie bieten spannende Einblicke in das frühere, karge Leben der Bergbevölkerung. Seinerzeit wurden auch kleinste Vorkommen mit grossem Aufwand abgebaut.

In Grindelwald wurden im 18. Jahrhundert schön gefleckte Marmorblöcke entdeckt und abgebaut. Aufgrund des gewaltigen Gletschervorstosses nach 1760 wurde der Marmorbruch jedoch vom Eis zugedeckt. Nach 1860 zog sich der Gletscher wieder zurück, die Marmorgrube wurde freigelegt, und der Abbau konnte erneut aufgenommen werden. Das Vorkommen war allerdings beschränkt. Der Steinbruch wurde deshalb 1903 stillgelegt. Er befindet sich beim heutigen Restaurant Marmorbruch oberhalb von Grindelwald und kann besichtigt werden.

Auch wenn es in den Alpen im Allgemeinen kaum wertvolle Rohstoffe gibt – eine Art von Bodenschätzen kommt dort reichlich vor: Kristalle, allen voran farblose Bergkristalle und braune Rauchquarze. Vor allem in der Grimselregion werden seit Jahrhunderten in Klüften wunderschöne Mineralien gefunden. Früher wurden sie nach Mailand geliefert. In den Steinschleifereien Norditaliens wurden aus den Quarzkristallen mit höchster Handwerkskunst Vasen oder Kristallleuchterteile für Fürsten- und Königshäuser gefertigt. Kristallklüfte werden in der Regel bis auf die letzten Kristallspitzen ausgebeutet. Deshalb können Laien kaum je eine intakte Kluft zu Gesicht bekommen. Es gibt indessen eine einzigartige Ausnahme. Beim Bau eines Stollens für die Kraftwerde Oberhasli wurde 1974 eine grosse Bergkristallkluft entdeckt. Sie wurde nicht ausgebeutet, sondern für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht.