Wissenswertes 

Warum ein Gebirge?

Das Jungfrau-Aletsch-Gebiet sah früher ganz anders aus als heute. Eine trockene Wüstenlandschaft in braunen Farben, darüber ein gleissend blauer Tropenhimmel, in der Ferne ein rauchender Vulkan – vor rund 250 Millionen Jahren zeigte sich die Gegend vielleicht ähnlich wie das heutige Death Valley in Kalifornien. Damals befand sie sich mitten im Superkontinent Pangäa. Meere und Gebirge lagen weit weg.

100 Millionen Jahre später hatte die Gegend ihr Gesicht vollkommen gewandelt: Die Kontinente waren auseinandergedriftet und hatten weite Meeresbecken (das Tethys-Meer) hinterlassen. In dieser tropischen Meereslandschaft mit Riffen und Inseln (vielleicht wie das heutige Grosse Barriere-Riff vor Australien) wurden im Laufe der Zeit gewaltige Mengen Kalk- und Mergelsedimenten abgelagert, die wir heute etwa am Eiger oder am Wetterhorn als mächtige Kalksteinschichten antreffen.

Nochmals 50 Millionen Jahre später begann sich Afrika in Richtung Europa zu schieben. Diese Bewegung setzte enorme Kräfte frei, die zunächst die Ozeanbecken schlossen. Danach verzahnten sich die Kontinentalränder ineinander. Gewaltige Gesteinsspäne schoben sich in der Tiefe als sogenannte Decken übereinander, wurden dabei verfaltet und unter starkem Druck und hohen Temperaturen umgewandelt. Auf diese Weise verdickte sich die Kollisionszone deutlich – und fing an, sich gemäss den Gesetzen des Auftriebs anzuheben: Die Alpen begannen zu wachsen. Sofort setzten auch Verwitterung und Abtrag ein.

Hebung und Erosion liefern sich in den Alpen ein anhaltendes Wettrennen. Dieses bestimmt die Höhe des Gebirges. Im Welterbe-Gebiet heben sich die Berge heute zwischen 1 und 1,5mm pro Jahr – gleichzeitig werden sie zwischen 0,2 und 0,5mm pro Jahr abgetragen – sie wachsen also noch mit rund 1mm pro Jahr. Die Alpen waren höchstwahrscheinlich nie höher als heute. Wer das Welterbe-Gebiet besucht, erlebt eine Momentaufnahme in einer Geschichte, die nun schon seit rund 250 Millionen Jahren dauert. Deshalb gibt es auch keine fixe Zahl als Antwort auf die Frage, wie alt denn nun die Alpen seien.