Wissenswertes 

Sagen als Klimazeugen

Früher waren die Menschen bei uns den Launen der Natur sehr direkt ausgesetzt. Dramatische Naturereignisse oder stärkere Veränderungen des Klimas setzten sich tief im kollektiven Gedächtnis fest und konnten Jahrhunderte, ja Jahrtausende in Form von Mythen und Sagen überdauern.

«Der Sagen gibt es unter dem Volke viele, welche erzählen, wie einst das Klima im Lande viel wärmer gewesen, wie von Gletschern kaum eine Spur und auf hohen Bergen Obstbäume und Weinreben sich befunden hätten. Dann kommen Andere und meinen, das ganze Wallis sei einst ein grosser See gewesen. Am Ende sind noch die gelehrten Geologen, welche behaupten, grause Gletscher hätten einst alle Täler, selbst den Landesgrund ausgefüllt und seien weit über unsere Wallisgrenzen hinausgeschritten. – Wer mag nun Recht haben? – Ich glaube alle.» (Tscheinen und Ruppen in Walliser Sagen, 1989)

Es gibt auch im Welterbe-Gebiet Sagen und Geschichten, die Klimaveränderungen aufgreifen oder von einem früheren besseren, weil wärmeren Klima erzählen. Dabei dürften sich diese Erinnerungen vor allem auf das mittelalterliche Klimaoptimum beziehen, vielleicht aber sogar auf frühere, milde Phasen. Die «Blüemlisalp-Sage» erzählt von saftigen Alpweiden, welche früher bis auf die heute vereisten Berggipfeln reichten und dann aufgrund von Frevel der Leute verloren gingen. Diese Sage findet sich in verschiedenen Varianten im ganzen Alpengebiet.