Wissenswertes 

Wie Maurer Torti Heinrich seine Flitterwochen verbrachte

Bei einem Rundgang durch den urigen, alten Ortskern von Naters, dem grössten Dorf im Oberwallis, trifft der Besucher unweigerlich auf das Beinhaus, ganz in der Nähe der Dorfkirche. Unwissende trauen im ersten Moment ihren Augen nicht, doch auch beim zweiten Hinschauen prangt durch einen Tuffsteinbogen in grossen Buchstaben der Ausspruch «Was ihr seid, das waren wir. Was wir sind, das werdet ihr» über einer Wand oder gar Mauer aus etwas seltsam erscheinenden, rundlichen Gebilden.

 

Schnell wird klar, es handelt sich dabei um menschliche Totenschädel. Bereits im Jahre 1514 erbaute Baumeister Ulrich Ruffiner, dem auch die gotische Kirchturmspitze, die Burgkirche in Raron und das Gotteshaus von Ernen zugeschrieben werden können, das Beinhaus mit der dazugehörigen Gruft, auf die man heute noch einen direkten Blick geniesst. 

Wie sich das Stapeln der Gebeine im Laufe der Zeit verändert hat, zeigen historische Fotografien von 1890, 1900 und 1925. 

Im Zeitraum von 1926 bis 1930 wurde das Beinhaus unter grosser Anstrengung komplett renoviert und so wich das zuvor herrschende Durcheinander einer strukturieren Ordnung. In diesem Zusammenhang hat sich eine ungewöhnliche Geschichte zugetragen. Der verwitwete Maurer Torti Heinrich (1895 bis 1958) heiratete im Jahr 1926 erneut. Doch anstatt sich auf romantische Hochzeitsreise zu begeben, meldete er sich freiwillig, die Renovierungsarbeiten der Krypta mit den Totenschädeln vorzunehmen. So stapelte er mit der Hilfe von einheimischen Buben, die sich für das Zuschieben der Schädel 20 Rappen verdienen konnten, die Schädelwand. 

Sicherlich verbringt kaum einer seine Flitterwochen auf diese Art und Weise. Ob die armen Seelen ihm dadurch sehr wohlgesinnt gewesen sind?