Wissenswertes 

Wie sich unsere Ahnen das Leben erleichterten

In der Zeit vor der industriellen Revolution, als die Menschen meist Selbstversorger waren, ersonnen sie verschiedene Hilfmittel, die ihnen den Alltag erleichterten. Diese Gegenstände wurden oft aus Dingen hergestellt, die sonst nicht verwendet werden konnten. Wegwerfen war unseren Ahnen fremd und ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnten. So wurden aus kleinen Holzresten Tesseln und die Knochen der Tiere wurden zu Spielzeug verarbeitet. Die alltäglichen Gegenstände wurden oft kunstvoll verziert. Zum einen hatten die Menschen in den Wintermonaten oft viel Zeit, da die Arbeit auf dem Feld ruhte, zum anderen hatten sie keinen Bedarf an reinen Kunstobjekten, weshalb sie ihren Sinn für Kunst im alltäglichen auslebten.

Nicht jede Tradition ist geeignet, im geänderten Umfeld der Moderne zu bestehen. So ist im Gleichschritt mit der bäuerlichen Lebensweise auch die Tessel, dieses multifunktionale Kerbholz, aus dem Oberwalliser Alltag verschwunden. Bei den Tesseln («Tässlä») handelt es sich um Holzurkunden. Mit Kerben wurden auf ihnen Rechte und Pflichten festgehalten – so beispielsweise die Alprechte, das heisst die Anzahl Vieh, die eine Familie im Sommer auf die Alp treiben durfte. Ein anderes Beispiel ist die Bewässerung. Hier ging es darum, nicht nur die Reihenfolge bei der Nutzung des Wassers zu regeln, sondern auch die Nutzungsdauer der einzelnen Berechtigten festzuhalten: Eine volle Einkerbung auf dem Holzstück gewährte etwa vier Stunden Wässerzeit, eine halbe Kerbe zwei Stunden.Oft wurde mit den Kerbhölzern auch die Rangordnung bei kollektiven Arbeiten festgelegt. So zum Beispiel die Reihenfolge für das Hüten von Ziegen und Schafen, die Regelung der Nachtwache im Dorf, das Gemeinwerk, das Amt des Alpvogts, des Fahnenträgers bei der Prozession oder des Kapellen-Sakristans.

Ausgekochte Fussgelenkknochen von Rindvieh wurden von den Kindern als Spielzeugtiere genutzt. Die grossen Knochen stellten Eschlchie (Kühe) dar, die kleinern Eschlchalber (Kälber). In vorindustrieller Zeit herrschte im Berggebiet eine Wirtschaft der knappen Güter. Wegwerfen war dieser Gesellschaft fremd, Sparzwang bestimmte ihren Alltag. Dies galt auch für die Lebenswelt der Kinder. 

Mit der Leibsärru wurde der Teig des Roggenbrots zu einem flachen, runden Laib geformt. Die kerbschnittverzierte Brotform aus Lärchenholz steht für den Kunstsinn der vorindustriellen Gesellschaft. Gleichzeitig symbolisiert sie die inneralpine Selbstversorgung mit Viehwirtschaft und Ackerbau.