Wissenswertes 

Der christliche Kulturschatz

Als Reaktion auf die Reformation gibt sich die katholische Erneuerungsbewegung bewusst ausschweifend. Die emotionale Kraft der barocken Bildersprache soll die Gläubigen für den katholischen Glauben zurückgewinnen. Die von Rom ausgehende Dynamik erreicht im 17. Jahrhundert über das tonangebende Goms das ganze Wallis. Es entstehen unzählige Zeichen des Glaubens, etwa in Form von Kirchen, Kapellen, Bittstöcken und Wegkreuzen. Im Verbund mit einem aufblühenden Wallfahrts- und Prozessionswesen stehen sie für eine die bäuerliche Existenz durchdringende religiöse Grundhaltung.

 

Jeweils am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Höhepunkt des Tages ist die Prozession durchs Dorf. Mit den ritualisierten Bewegungsabläufen, dem Auftritt kostümierter Gruppen und der akustischen Begleitung mit Musik und Chorgesängen kommt dieser feierliche Umgang einer Art Schauspiel gleich. Ein ganz besonderes Gepräge verleihen der Prozession im Lötschental die Herrgottsgrenadiere in ihren historischen Uniformen. Aufgabe der Grenadiere ist es, bei der Prozession durchs Dorf dem Allerheiligsten das Geleit zu geben. Am Nachmittag treten sie dann bei der Parade ein zweites Mal auf. Dabei schwingt der Fähnrich unter den Klängen der Musikgesellschaft die Gemeindefahne. Kirchliches Brauchtum und weltliche Schauparade – wie geht das zusammen?

 

    Dazu Konstantin Kalbermatten, Wachtmeister der Herrgottsgrenadiere von Blatten (Lötschen): «Wir müssen das Religiöse und das Weltliche auseinander halten. Wenn wir in die Kirche einmarschieren und in der Prozession mitgehen, fühlen wir uns als Beschützer des Allerheiligsten. Anders verhält es sich am Nachmittag bei der Fahnenparade. Da präsentieren wir uns gerne dem Publikum und wollen ihm auch etwas bieten.»