Wissenswertes 

Wie unsere Vorfahren Roggenbrot herstellten

«Gib uns unser tägliches Brot»! Dieser Satz aus dem Vaterunser stellt für uns in Zeiten voller Supermarktregale meist nur eine gedankenlose Formel oder Phrase dar. Für unsere Vorfahren war es jedoch ein wirkliches Anliegen, eine Bitte von existentiellem Wert. In vergangenen Zeiten war Brot das Hauptnahrungsmittel. Roggenbrot lag bei jeder Mahlzeit auf dem Tisch. Doch wie verarbeiteten unsere Vorfahren Getreide zu Brot?

 

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die meisten Bewohner der Welterbe-Region fast ausschliesslich Selbstversorger. Im Mittelpunkt der Nahrungsmittelherstellung stand das Backhaus, eine gemeinschaftliche Institution der Dorfbewohner. 

Zunächst backten die Bewohner von Birgisch nur alle paar Monate, später alle 6 Wochen und zuletzt einmal im Monat. Die Backwoche wurde mit einem Anschlag und durch Ausruf des Dorfweibels bekannt gegeben. War der Ofen angeheizt – im Winter brauchte das viele Stunden – so wurde Tag und Nacht gebacken und zwar in der Reihenfolge, wie sich die einzelnen Familien zuvor angemeldet hatten. 

Die Hausfrau hatte schon einige Tage zuvor im Hefefass den Sauerteig angemacht. Im Backhaus wurde der Teig durch Zugabe von Roggenmehl, warmen Wasser und Salz erweitert und an den warmen Ofen gestellt. Nach dem Aufgehen des Teiges wurde er in den Knetttrog geleert und mit viel Mehl, Wasser, Salz, teilweise auch zerstossenen Kartoffeln ergänzt. Diese recht grosse Masse liess man nun in der 30 bis 35 Grad heissen Stube zwei Stunden lang aufgehen. Im nächsten Arbeitsschritt wurde der Teig im Knetttrog mit der Teigschaufel auf den «Laibbank», einen relativ grossen Tisch, gebracht, an dem 4 bis 5 Personen arbeiten konnten. In zwei weiteren Arbeitsphasen mit Unterbrüchen, um den Teig aufgehen zu lassen, kam man zum eigentlichen Formen der Brote, die auf einem Brettergestell an der Wand auf die notwendige Ofenwärme warteten. Kurz vor Einbringen der Brote in den Ofen schnitt man zwei halbmondförmige Striche in die Oberfläche, um ein hässliches Zerreissen der Brotlaibe zu verhindern. Begann sich nun der Geruch von frischgebackenem Brot zu verbreiteten, wussten die Backleute, die mittlerweile 6 bis 7 Stunden im Einsatz gewesen waren, dass die Arbeit bald abgeschlossen sein wird. 

Das Brot war nur ein paar Tage lang frisch, einige Zeit konnte man es noch mit dem Messer schneiden und zum Schluss war ein Zerteilen nur noch mit dem Brothacker möglich. 

In vielen Dörfern der Welterbe-Region hat man die alten Backhäuser erhalten oder restauriert. Zu besonderen Anlässen oder auch in regelmässigen Abständen werden die Backhäuser heute noch genutzt. Das Brot wird teilweise in den Dorfläden zum Verkauf dargeboten. In Birgisch lässt sich ein schönes Backhaus bewundern, das 1995/96 durch Einsatz der Gemeinde renoviert werden konnte.