Wissenswertes 

Wie karge Schuttfelder zu vielfältigen Lebensräumen werden

Wenn sich Gletscher zurückziehen, hinterlassen sie eine unwirtliche Landschaft aus Geröll und Fels. Schon bald darauf setzt die Eroberung des freigegebenen Landes ein: der Wind trägt erste Pflanzensamen in die kargen Schuttfelder. In geschützten Nischen und Plätzen fassen diese ersten Pioniere langsam Fuss und bereiten den Untergrund für anspruchsvollere Arten vor - mit der Zeit entsteht auf kleinem Raum ein Mosaik verschiedener Pflanzengesellschaften.

 

Bis aus eisfrei gewordenen Schuttflächen alpine Rasen oder junge Wälder werden vergehen lange Zeiträume: bis zu 150 Jahre benötigen die Pflanzen, um einen solchen Raum vollständig zu besiedeln. Dabei verläuft die Wiederbesiedlung in typischen Phasen:

5 bis 10 Jahre nach dem Rückzug des Gletschers haben die ersten Pflanzen in den Geröllschuttfeldern Fuss gefasst. Die Erfolgsrezepte dieser Pioniere sind ihre vielen kleinen Samen, die der Wind verbreiten kann und das lange Wurzelwerk, mit dem sie sich im lockeren Schutt festklammern und Wasser aus dem Untergrund saugen können. Zu den Pionierpflanzen gehören z.B. Fleischers Weidenröschen, der Säuerling, der bewimperte Steinbrech und das Alpenleinkraut.

Nach 25 bis 30 Jahren haben die Pionierpflanzen den Untergrund für andere Pflanzen vorbereitet: Auf dem ersten Humus aus vermoderten Pflanzenresten können sich verschiedene Weidenarten ansiedeln. Diese kleinwüchsigen Arten können Wind, Trockenheit und Kälte gut ertragen und sie verdrängen die Pionierpflanzen mit der Zeit.

Nach 60 bis 100 Jahren: Die Bedingungen für die Pflanzen werden mit der zunehmenden Dichte der Pflanzendecke immer günstiger. Beispielsweise nehmen die Bodenmenge und die Qualität des Bodens zu und es steht mehr Wasser zur Verfügung. Mit der Zeit haben auch anspruchsvollere Pflanzen eine Chance, wie z.B. die Rostblättrige Alpenrose oder erste niedrige Lärchen und Arven. 

Solche Vorgänge der Wiederbesiedlung unwirtlicher Flächen durch Pflanzen (ökologische Sukzession), die heute im Welterbe-Gebiet stattfinden und beobachtet werden können, sind mit ein Grund für die Aufnahme des Gebietes in die Welterbe-Liste.