Wissenswertes 

Singende Geister am Staubbachfall

Über eine gut 300 m hohe senkrechte Felswand stürzt der Staubbach im Lauterbrunnental von der Mürrenfluh zum Talboden. Im freien Fall werden die Wassermassen fast restlos zerstäubt und vom Wind oft weit abgetrieben. Der Anblick hat Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1779 tief beeindruckt und ihn zu seinem berühmten Gedicht «Gesang der Geister über den Wassern» inspiriert.

«Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen, 
Steilen Felswand 
Der reine Strahl, 
Dann stäubt er lieblich 
In Wolkenwellen 
Zum glatten Fels, 
Und leicht empfangen, 
Wallt er verschleiernd, 
Leisrauschend 
Zur Tiefe nieder. 
 
Ragen Klippen 
Dem Sturz entgegen, 
Schäumt er unmutig 
Stufenweise 
Zum Abgrund. 
 
Im flachen Bette 
Schleicht er das Wiesental hin, 
Und in dem glatten See 
Weiden ihr Antlitz 
Alle Gestirne. 
 
Wind ist der Welle 
Lieblicher Buhler; 
Wind mischt vom Grund aus 
Schäumende Wogen. 
 
Seele des Menschen, 
Wie gleichst du dem Wasser! 
Schicksal des Menschen, 
Wie gleichst du dem Wind! »

(Johann Wolfgang von Goethe 1779)