Wissenswertes 

Wie das Rosenlauital in die Literatur eingegangen ist

Nicht nur in Bildern, sondern auch in Worten ist die Kunde von den aussergewöhnlichen Naturschönheiten des Haslitals immer wieder in die weite Welt getragen worden. Zahlreiche Schriftsteller schilderten die Gegend in Briefen, Gedichten und Romanen.

Der berühmte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe schildert in einem Brief an Charlotte von Stein eine Wanderung, die ihn am 12. Oktober 1779 von Grindelwald über die Grosse Scheidegg nach Innertkirchen und weiter bis Guttannen führte:

«Um ein Uhr waren wir im Schwarzwald. Hier sieht man auf der rechten Seite Wellhorn, Wetterhorn und Engelhorn. Das Wetter war heiter. Bei einem Bauern assen wir, was wir mitgenommen hatten. Der Weg ins Haslital ist der angenehmste, den man gehen kann. Von der grossen Scheidegg bis ins Aaretal geht man über vier Stunden immer bergab. Wir besahen einen Käsespeicher, die hier aller Enden stehen, nun aber gegen den Winter geleert und verlassen werden. Die Hirten waren erst selbigen Morgen mit dem Vieh abgetrieben. Der erste Blick vom Berg herab in das Hasliland ist frappierend – die Gegend ist erstaunlich weit und angenehm.»

Besonders angetan waren die Schriftsteller auch vom rauschenden Wasser, das im Berner Oberland nicht nur an allen Orten und Enden fliesst, sondern vielerorts auch in prachtvollen Wasserfällen zu Tal stürzt. Eine besonders eindrückliche Stätte fanden diese reisenden Dichter dort vor, wo das Rosenlauital ins Aaretal mündet. Tosend stürzt hier der Reichenbach in sieben Fällen zu Tal. Die oberste Stufe ist der mächtigste und zugleich auch schönste dieser Wasserfälle. Das Wasser fällt an dieser Stelle 120 m in die Tiefe und verteilt sich auf bis zu 40 m Breite. Der ebenso schauerliche wie eindrückliche Standort wurde in vielfältiger Form literarisch verarbeitet. Unzählige Leser liessen sich von der Faszination, die aus den frühen Reiseberichten hervorging, nur zu gerne anstecken. Besondere Berühmtheit erlangte der Reichenbachfall jedoch als dramatischer Schauplatz des (beinahe) letzten Falles des Roman-Detektivs Sherlock Holmes.