Wissenswertes 

Wie das Reichenbachtal die Künstler inspirierte

Eine der malerischsten Landschaften des Alpenraums liegt zwischen Meiringen und Grindelwald. Das Rosenlauigebiet vereinigt faszinierende landschaftliche Gegensätze. Lieblich plätschert der Reichenbach durch das idyllische Hochtal, vorbei an saftigen Weiden und kräftigem Bergwald. Darüber erheben sich die wild gezackte Engelhorn-Kette und die eisgepanzerte Gipfelgruppe von Rosenhorn, Mittelhorn, Wellhorn und Wetterhorn. Schon früh zog diese einzigartige Landschaft Künstler von weit her an. Sie inspirierte zu bedeutenden Meisterwerken der Gebirgsmalerei, Pionierwerken der Hochgebirgsfotografie und ging auch in die Literatur ein.

All diese kulturellen Zeugnisse sind erst dadurch möglich geworden, dass die Menschen im Laufe der Zeit einen von Interesse und Neugier geleiteten Zugang zur Bergwelt gefunden haben. In früherer Zeit war dies anders. Einst wurde das Gebirge als unheimliche Bedrohung aufgefasst, der man sich nur mit grösster Vorsicht stellen durfte. Die Berge galten als furchterregend, ja als Ort tödlicher Gefahr. Man mied sie wenn immer möglich. Bruchstücke dieser Haltung finden sich noch heute in alten Sagen und in weiteren Ausdrucksformen der Volkskultur. 

Erst im 18. Jahrhundert veränderte sich die Wahrnehmung. Am Anfang dieses Wandlungsprozesses stand ein Gedicht – «Die Alpen», verfasst vom Berner Universalgelehrten Albrecht von Haller unter dem Eindruck einer Reise in die Schweizer Bergwelt. Die einstige Angst wich nun zusehends der Faszination. Bald suchten auch Künstler und Dichter die Alpen auf. Ihre Werke öffneten einem immer breiteren Publikum die Augen für den Reiz der Berge.

Das Rosenlauigebiet spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Alpentourismus [Link Grosse Oberland-Tour]. Mit seiner höchst eigentümlichen Mischung aus wildem und lieblichem Charakter zog das Reichenbachtal im 18. Jahrhundert die bekanntesten Landschaftsmaler, Zeichner und Kupferstecher Europas an. Im 19. Jahrhundert galt es weitherum als Inbegriff einer romantischen Landschaft. Wer das Tal besuchte, der begehrte nicht wie heutige Touristen Sonnenschein und aktive Erholung, sondern Gemütsspektakel. Perfekt war das Urlaubsabenteuer, wenn Nebelbänke und Wolken über der Landschaft lagen: Dann konnte das Wasser im Reichenbachtal in allen denkbaren Erscheinungsformen erlebt werden – vom Eis der Gletscher über die sprudelnden Bergbäche bis zu düster-dramatischen Regen- und Dunstschleiern.