Wissenswertes 

Wie einheimische Bergführer zu den Anfängen der Gebirgsfotografie beitrugen

Das Reichenbachtal zog an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die grossen Pioniere der Gebirgsfotografie unwiderstehlich an. Die bekanntesten Fotografen jener Zeit – wie etwa Adolph Braun oder Vittorio Sella – fertigten hier Meisterwerke an.

Die Entstehung der ersten Fotografien war mit strapaziösen Bergtouren verbunden: es galt hölzerne Kamerakästen und schwere Bildplatten an den jeweiligen Foto-Standort hinauf zu schleppen / hinauf zu tragen. Hier leisteten einheimische Bergführer oft wertvolle Hilfe. Einige von ihnen erhielten zum Dank einen besonderen Lohn, der bis heute erhalten geblieben ist: Mehrere Familien in den Gemeinden Meiringen und Schattenhalb hüten über hundertjährige Fotoalben mit historischen Bildern von Bergtouren.

Wie kamen diese Raritäten ins Haslital?

«Die Fotoalben waren Weihnachtsgeschenke für die einheimischen Bergführer, die sie von einem vermögenden Gast erhielten.»

Was war der Grund für diese kostbaren Gaben?

«Die Alben waren eine Gegenleistung für den Einsatz der Bergführer im Sommer. Der betreffende Gast war ein Chemie-Professor und bekannter Bergfotograf. Die Bergführer halfen ihm, die damals enorm schwere Fotoausrüstung auf die Berggipfel zu tragen.»

Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an waren im Haslital, vor allem in Schattenhalb, zahlreiche Männer im Sommer als Bergführer tätig. Wie kam es dazu?

«Früher lebten die Menschen in unserer Gegend hauptsächlich von der Landwirtschaft. Anders als heute gab es kaum Möglichkeiten für einen Nebenverdienst. Eine Ausnahme war die Tätigkeit als Bergführer im Sommer. Sie liess sich mit dem Bauernleben gut vereinbaren. Das Vieh war auf der Alp, das Heuen besorgten die Angehörigen, der Familienvater konnte mit Gästen «z'Bärg» gehen. Damit verdiente er für damalige Verhältnisse sehr gut.»

Kaspar Willi, früherer Gemeindeschreiber von Schattenhalb und Bergführer