Wissenswertes 

Wieso auf der Riederfurka eine viktorianische Villa steht

In die Zeit der touristischen Erschliessung der Alpen durch die Engländer fällt der Bau eines aussergewöhnlichen Bauwerkes hoch über der Riederalp, der schlösschenartigen Villa Cassel auf der Riederfurka. Erbaut wurde diese Sommerresidenz mit 25 Zimmern und edler Innenausstattung zwischen 1900 und 1902 durch den deutschstämmigen Engländer und reichen Bankier Sir Ernest Cassel.

Der Grund war weniger die Freude an den Bergen, sondern von seinem Arzt verordnete strikte Ruhe und Erholung in der gesunden Bergwelt.

Der Menschenfreund Cassel tat sich zuvor durch grosszügige Spenden an die damals armen Berggemeinden von Ried und Betten hervor und durfte als Zeichen der Dankbarkeit für den Bau der Villa ein Grundstück neben dem 1882 erbauten Hotel Riederfurka erwerben. In den folgenden zwölf Jahren verkehrten in der Villa Cassel zahlreiche prominente und einflussreiche Gäste aus Politik und Hochfinanz, unter anderem auch Sir Winston Churchill. 

Nach Cassels Tod 1921 erbte die Enkelin Edwina Mountbatton das viktorianisch geprägte Bauwerk, das im Jahr 1924 in den Besitz der Hoteliersfamilie Cathrein überging und von dieser in einen Hotelbetrieb umgebaut wurde. Mit dem aufkommenden Massentourismus änderten sich auch die Ansprüche der Gäste, weshalb das Hotel nicht mehr rentierte und 1969 geschlossen wurde. 

1973 übernahm der Schweizer Bund für Naturschutz, die heutige Pro Natura, die geschichtsträchtige Villa und renovierte diese fachkundig. Am 10. Juli 1976 konnte darin das Naturschutzzentrum Aletschwald (heute: Pro Natura Zentrum Aletsch) feierlich eröffnet werden.