Wissenswertes 

Wie der Aletschgletscher die Touristen in seinen Bann zog

Angezogen vom Grossen Aletschgletscher, den Arven und Lärchen des Aletschwaldes, aber auch von der faszinierenden Kulturlandschaft mit den hart arbeitenden Bergbauern und von einer ausserordentlich vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, wurde das Aletschgebiet im 18., vor allem aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts immer häufiger von Naturforschern aus aller Welt besucht.

 

Zunächst waren es vor allem Schweizer, im Zuge der Französischern Revolution kamen dann auch französische Forscher, und später entdeckten die Engländer das Aletschgebiet. Ihnen allen war gemeinsam: sie waren Idealisten, die grosse Strapazen und Entbehrungen auf sich nahmen, um die grossartige Natur rund um den Aletschgletscher zu erkunden. Mit den Naturforschern wurden die Schönheiten der Aletschregion aber auch in die grosse, weite Welt hinausgetragen; ihre Reiseberichte wirkten wie «ein Alarm aus einer unbekannten Berg- und Gletscherwelt». Angezogen durch die Forscher und ihre schwärmerischen Schilderungen tauchten nun in den Sommermonaten immer mehr «fremde Gestalten» auf, unter ihnen nicht nur Naturforscher, sondern einfach auch solche, die die einmalige Landschaft des Aletschgebietes erleben wollten. Es waren vornehmlich Engländer, die auf die einheimische Bevölkerung wie aus einer anderen Welt wirkten.

Der Chronist Peter Arnold umschrieb die Situation in seinem Büchlein «Riederalp» mit folgenden Worten: «Von 1812 an tauchten immer wieder an den Abenden im Sommer sonderbare Gestalten vor den Alphütten in Riederalp auf. Hüte trugen sie wie verbeulte Schindeldächer. In den zerschundenen Händen hielten alle einen langen, eisenbeschlagenen Stuck und dazu noch Steine, verwelktes Kraut und Blumen. Unverständliche Laute und Silben kamen aus ihren heiseren Kehlen. Hier schafften die Kinder die erste Verbindung zwischen England und der Riederalp. Vorsichtig berührten sie sogar die Kleider der Gestalten und liefen ihnen bald von Hütte zu Hütte nach. Die meisten Frauen verschwanden hurtig hinter der Türe und spähten durch die Dachluken nach den Ereignissen, die da kommen würden. Ja, sind es nicht vielleicht Dämonen, Berggeister oder Hexen, die vor dem Scheiterhaufen des Hohgerichtes Zen Hohen Flühen flüchten konnten. Oder sind es büssende „Arme Seelen“ aus dem Aletschgletscher, die erlöst oder gar durchgebrannt sind. Die Mutigen unter den Hirten klärten die Vorsichtigen auf: Nein, nein, das sind Menschen – übergeschnappte Städter, die zu viel Geld und zu wenig Arbeit haben und darum schickte man sie an die frische Luft der Berge. Diese Aufklärer wurden die ersten Träger und Bergführer der Gäste. Schon nach kurzer Zeit warteten die Hirten mit Sehnsucht jeden Abend auf ihre Kunden, denn es waren liebenswürdige Mitmenschen, auch zahlten sie Strohsack und Milch sehr gut, und die Zeichensprache wurde schon bald durch einige Wörter bestätigt. Allerdings den Sinn ihrer Arbeit in den Bergen verstanden die Älpler keineswegs. Neckisch und spöttisch nannten sie ihre Gäste Kraut-, Stein- und Bergnarren.»