Wissenswertes 

Der Fieschergletscher – ein unbekannter Riese

Der Fieschergletscher ist sozusagen der «kleine Bruder» des Grossen Aletschgletschers. Und dennoch ein Riese seiner Art: Mit einer Länge von 15,1 Kilometer und einer Fläche von 31,2 Quadratkilometern ist er immerhin der drittgrösste Gletscher der Alpen. Sein Nährgebiet umfasst den Walliser Fiescherfirn zwischen Gross-Grünhorn und Gross-Wannenhorn. Der Fieschergletscher zwängt sich durch ein enges Tal zwischen Wannenhorn und Wasenhorn und endet bei der «Burg», im nördlichen Teil eines grossen Felsriegels. Dieser Felsrücken teilte bei Hochständen den Fieschergletscher in zwei Gletscherzungen, in die westliche «Glingulgletscher» und in die östliche «Gerengletscher».

Der letzte Hochstand des Fieschergletschers ist dank historischen Bildquellen verlässlich dokumentiert; im 17. Jahrhundert stiess auch der Fieschergletscher zu einem Hochstand vor und versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Darum wurde im Jahre 1652 eine Bann- und Bittprozession eingeführt. Seit 1892 wird die Zungenlänge vermessen; in den 1950er-Jahren wurde in der Schlucht des Wysswassers, dem heutigen Abfluss des Fieschergletschers, eine Messstation eingerichtet. Der Fieschergletscher endete früher in zwei Gletscherzungen nahe bei den Weilern Bucheren und Unnerbärg. Die Fieschertaler fühlten sich durch die Eismassen bedroht. Sie sollen darum das Gelübde abgelegt haben, an Samstagen von der Vesper an jegliche knechtlichen Arbeiten ruhen zu lassen. Als der Gletscher 1652 wieder in beängstigendem Ausmass vorstiess, versammelten sich die Talbewohner zu einer gletscherbannenden Prozession gegen das «Gespenst» im Fieschergletscher. Der Gletscher gab fortan Ruhe. 1676 ersuchten die Bewohner Papst Innozenz XI., ihr Gelübde abzuändern, weil sich nicht mehr alle daran hielten. 1678 wurde dem Ansinnen stattgegeben und die Fieschertaler mussten geloben, dass sie keine verborgenen Tänze durchführen und die Frauen keine roten Schürzen mehr tragen. Als der Gletscher 1860 erneut in beunruhigendem Masse vorrückte, versprachen die Fieschertaler einen alljährlichen Bittgang zur Kapelle im Ernerwald, in der Kirche ein Kerzenlicht zu unterhalten und jährlich eine Messe zu lesen.

Nun, da der Rückgang der Gletscher die Menschen beunruhigt, wird die Prozession mit dem Anliegen durchgeführt, die Gletscher möchten doch wieder wachsen.