Wissenswertes 

Wie Fliegen und Skischuhe Forschungsergebnisse beeinflussen

Das Jungfraujoch ist unbestritten ein touristischer Magnet. Massen von internationalen Touristen strömen jährlich von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch. Doch Anziehungskraft übt das Joch nicht nur auf Reisende aus, auch Wissenschaftler prägen das Bild in 3500 Meter Höhe.

 

Die Gletscherwelt rund um das Jungfraujoch hat schon früh Forscher und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen angezogen. Zunächst mussten diese jedoch besonders wetterfest und mit bergsteigerischen Fähigkeiten ausgestattet sein. Schliesslich war der Aufstieg kein leicht zu nehmendes Hindernis.

Durch den Bau der Jungfraubahn wurde das Joch nun einer breiteren Schar an Wissenschaftlern zugänglich. Mit der bestehenden Bahn, dem Hotel und der grossen Höhe über dem Meer wurde das Jungfraujoch zu einem idealen Standort für ein eigenes wissenschaftliches Höheninstitut. Internationale Forscherteams beispielsweise aus den Bereichen Meteorologie, Strahlenforschung, Astronomie oder Physiologie kommen heute wie damals, denn der Standort bietet einmalige Möglichkeiten. Die zentrale Lage in Europa und die Verbindung mit der Bahn erlauben einen einfachen Materialtransport, selbst für Experimente mit tonnenschwerer Ausrüstung. Die beiden Forschungsgebäude offerieren bequeme Übernachtungsmöglichkeiten, diverse Labors und Plattformen für verschiedenste Messinstrumente. 

Mit einer Höhe von rund 3500 Meter über Meer ragt das Joch in Luftschichten hinauf, die sehr rein und trocken sind und durch die relativ grosse Distanz zu industriellen Zentren nur wenig Fremdstoffe enthalten. Doch zu hundert Prozent sind Fremdeinwirkungen auch hier nicht zu vermeiden, trotz der guten Voraussetzungen kann es zu Fehlinterpretationen kommen. 

Beispielsweise lieferten einmal ein Gerät für die Messung von Sonnenstrahlung sonderbare Werte. Den Übeltäter fand man beim Öffnen des Gerätes: Eine kleine Fliege hatte sich dort hineinverirrt. Eine weitaus schwierigere Rätselaufgabe galt es zu lösen, als Wissenschaftler einen Stoff entdeckten, den es in der reinen Luft auf dem Joch gar nicht hätte geben dürfen. Durch akribische Detektivarbeit kam man der Sache auf den Grund: Der Stoff entströmte in kleinen Mengen den modernen Skischuhen. Selbst in der nahezu unberührten Natur des UNESCO Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch werden Einflüsse der Zivilisation sichtbar.