Wissenswertes 

Weshalb sich der jahrhundertealte Suonenbau bis heute bewährt

Suonen sind nur aus Holz und Steinen erbaut und damit eigentliche Meisterwerke des menschlichen Könnens. Der ausgehöhlte Baumstamm, der «Chänil», ist mit einer raffinierten Technik über krummgewachsene Baumstämme, die «Chrapfa», und Träger, die «Toggen», ohne Bindemittel oder Eisenanker an den lotrechten Felswänden befestigt: Die Träger werden mit einer Einkerbung an der Kopfseite in zuvor ausgespitzte Felslöcher gerammt. Dort treffen sie auf einen Holzkeil, der dafür sorgt, dass sich die Toggen beim Hineinschlagen ausweiten und so unverrückbar im Felsen festklemmen.

Nach dieser Methode ist in den 1980er-Jahren auf der «Heji» am Beginn des «Niwärch» ein neuer Chänil angebracht worden, der noch heute – 30 Jahre später – Wasser und Wanderer sicher über eine besonders heikle Stelle bringt. Auch die Konstruktion des «Tretschbords», des unteren Bordes einer Suon, ist handwerkliche Kunst: Senkrecht aufgestellte Steinplatten werden mit Grasmotten «Wäschini» miteinander verbunden und bilden so eine kompakte und damit begehbare Wandung.

Schon vor Jahrzehnten haben kluge Köpfe mit Weitblick erkannt, dass Suonen über ihren Nutzwert hinaus ein wertvolles Kulturgut sind: Statt die von den Ahnen erstellten Wasserläufe in Röhren und Betonkanäle zu zwängen, gingen sie dazu über, sie zu erhalten und dort, wo sie begradigt worden waren, wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, Stollen und Beton gibt es nur noch dort, wo Steinschlag und Lawinen jede andere Form der Wasserführung unmöglich machen. Ihre Nachfolger führen das Werk fort.

Dazu Richard Zurwerra vom kantonalen Meliorationsamt: «Im Laufe der Jahrzehnte hat der Kanton Wallis über 50 Millionen Franken in die Erhaltung der Suonen gesteckt. Allein im Durchschnitt der letzten zehn Jahre waren es 1,7 Millionen Franken pro Jahr. Davon übernahm der Bund jeweils rund 630 000 Franken. Der Fonds Landschaft Schweiz hat seit seiner Gründung gegen 2,5 Millionen Franken für die Erhaltung von rund 40 der 200 noch in Betrieb stehenden Suonen aufgewendet. Auch die Loterie Romande unterstützt Suonen-Projekte grosszügig.»