Wissenswertes 

Wie vier Brüder am Zinggenstock ihr grosses Glück fanden

Seit jeher ziehen Kristalle die Menschen in ihren Bann. In der Region Oberhasli gehen einheimische Strahler seit Jahrhunderten auf Kristallsuche, das Dorf Guttannen ist das Zentrum der Strahlerei. 

Diese abenteuerliche Suche ist einerseits eine willkommene Einkommensquelle andererseits ist es eine Passion, vergleichbar mit der Suche nach Gold. Im 18. Jahrhundert löste ein sensationeller Fund am Zinggenstock ein richtiggehendes Kristallfieber aus.

 

Es war ein Tag wie jeder andere im Leben der Gebrüder Peter, Melchior, Jakob und Hans Moor, als sie im Herbst 1719 ihre selbsterbaute Steinhütte am Unteraargletscher verliessen, um am Zinggenstock nach verborgenen Kristallen zu suchen. Nie hätten diese Männer geahnt, dass die Funde dieses Tages sie weltberühmt machen sollten. Und doch kam es so: Nach jahrelanger mühevoller Arbeit standen sie plötzlich vor einer der grössten je im Alpengebiet entdeckten Kristallkluften. Fünfunddreissig Meter tief und über fünf Meter breit soll sie gewesen sein, der Inhalt über tausend Zentner schwer.

Das Glück der Strahler sorgte im Tal für gewaltiges Aufsehen. Ein wahres Kristallfieber brach unter den Landsleuten aus. Viele verliessen ihre Beschäftigungen, um ebenfalls ihr Glück bei der Suche nach Kristallen zu finden. Das grosse Geld zog aber auch manch finsteren Gesellen an. Bereits im ersten Winter statteten Diebe der berühmten Kluft einen Besuch ab. Später, als ein Teil der Kristalle im Dorf Guttannen gelagert wurde, brannten fünfzehn Häuser und die Kirche nieder. Von den Kristallen wurde nicht mehr die geringste Spur gefunden. Im Naturhistorischen Museum Bern hingegen können heute noch einige Kristalle vom Zinggenstock besichtigt werden.