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Bergahornweg 7&8 - Die Echte Lungenflechte und das Rudolphis Trompetenmoos

Direkt an der Strasse und in der Nähe der Bushaltestelle Hotel Rosenlaui, steht ein Bergahorn mit besonderem Bewuchs. Wenn man den schmalen Wanderweg einige Schritte bergwärts geht, entdeckt man vielleicht bereits am Boden lappenartige Gebilde mit lockerer Netzstruktur. 

Mit Sicherheit sieht man diese zerschlitzten Lappen, die mehrere Dezimeter im Durchmesser erreichen können, am Stamm und an den Ästen des Bergahorns. Es handelt sich um die Echte Lungenflechte (Lobaria pulmonaria). Im trockenen Zustand ist sie eher unscheinbar bräunlich-grün gefärbt, während sie feucht auffällig grün leuchtet. Ihr Name beruht auf ihrer Ähnlichkeit mit der Form der menschlichen Lunge. Gemäss der Signaturenlehre hat dies auch dazu geführt, dass die Flechte – damals wie heute – als Heilmittel gegen Lungenkrankheiten und bei Atemwegsbeschwerden verwendet wird. Die Lungenflechte selber reagiert äusserst empfindlich auf Luftverschmutzung. Ihr Vorkommen zeigt daher eine ausgezeichnete Luftqualität an. Im Reichenbachtal findet sie gute Bedingungen und kommt ziemlich oft vor. In der Schweiz ist sie besonders in den Nordalpen und dem Jura häufiger anzutreffen, wo sie bevorzugt an alten Bergahornen und Buchen in luftfeuchten Lagen wächst. Die Vorkommen sind allerdings durch Luftverschmutzung und forstliche Eingriffe gefährdet. Deshalb ist die Art europaweit streng geschützt. Sie darf weder gesammelt noch anderweitig beschädigt werden. 

Am selben Baum bläst es mit Tuten und Trompeten vom Ast, der über dem Weg wächst. 

Dort oben sitzt das Rudolphis Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana). Von unten fallen besonders die orangen Stiele der Sporenkapseln auf, die senkrecht nach oben gerichtet sind. Die Kapseln selber erinnern an kleine Trompeten und gaben der Gattung ihren Namen. In ihnen werden jährlich Millionen von Sporen gebildet, die der Fortpflanzung dienen. Diese Sporen weisen als Besonderheit eine etwas klebrige Oberfläche auf und haften aneinander. Dies könnte gemäss Forschern ein Hinweis dafür sein, dass die Sporen nicht durch den Wind – wie bei Moosen üblich – sondern durch Insekten verbreitet werden. Zudem gibt es Anzeichen darauf, dass an der Kapsel spezielle Duftstoffe gebildet werden, die Fliegen anlocken. Das Rudolphis Trompetenmoos wächst fast ausschliesslich auf alten Bergahornen in luftfeuchten Lagen der montanen und subalpinen Stufe. Aufgrund ihrer engen ökologischen Ansprüche ist diese Moosart eine echte Rarität. Sie kommt nur in den Nordalpen (AT, DE, CH) und an wenigen Stellen in China vor. Die Moosart ist ebenfalls strenggeschützt und wurde im Reichenbachtal an mehreren Bäumen entdeckt – jedoch weitaus seltener als die Echte Lungenflechte. 

Das Eichhörnchenschwanz-Moos (Leucodon sciuroides, Bild A) ist die häufigste Moosart auf den Bergahornen im Reichenbachtal. Meist sind der Stamm und die dickeren Äste dicht mit dieser Moosart bedeckt. Das Grosssporige Goldhaarmoos (Orthotrichum rogeri, Bild B) ist eine geschützte Moosart die typischerweise erst im oberen Kronenbereich auftritt.

Die gesamte Broschüre zum Bergahornweg kann hier heruntergeladen werden.