Die weisse Gämse im GredetschtalDie weisse Gämse im Gredetschtal

Von Josef Guntern / Volkserzählungen Oberwallis

Zur Zeit, als in Naters ein gewisser Biderbost Pfarrer war, lebte dort ein ausgezeichneter Gamsjäger, der grosse Lerjen genannt. Er war ein guter Freund des Pfarrers, der auch ein grosser Liebhaber der Jagd war. Als Lerjen ihm erzählte, dass er in den schauerlichen Gredetschbergen ein schönes, schneeweisses Gamstier gesehen, dem aber nicht habe beikommen können, mahnte ihn der Pfarrer, künftig nicht mehr auf die Jagd zu gehen.

Einst, als der Pfarrer in Birgisch einen Schwerkranken in der Nacht verwahren musste, traf er auf der Rückreise noch im Morgendunkel den grossen Lerjen an. Die Büchse auf der Achsel und vollständig zur Hochjagd ausgerüstet, vom Schweisse triefend, begegnete er ihm so eilig, als wenn es sehr pressierte. «Wohin, wohin, Lerjen, so im Sturm?» fragte ihn der Pfarrer. «Nach Gredetsch, das weisse Tier holen, koste es was es will!» gab er zur Antwort. «So – das wird dir doch nicht Ernst sein?» fragte wieder der Pfarrer. «Ernst! Ernst!» erwiderte Lerjen. «Nun denn, so lebe wohl, wir sehen einander nicht mehr!» sagte der Pfarrer, drückte ihm noch herzlich die Hand und ging seinen Weg vorwärts.
Abends kam von den Hirten die Nachricht, der Jäger sei in den Gredetschbergen erfallen. Er soll sich vom weissen Tier in die gefährlichsten Felspfade haben verführen lassen und von dort in den schwindlichen Abgrund gestürzt sein. Der unglückliche Lerjen wurde klein zerschmettert gefunden und in einem Leintuche zusammengebunden auf den Kirchhof nach Naters gebracht.

Einst, als der Pfarrer in Birgisch einen Schwerkranken in der Nacht verwahren musste, traf er auf der Rückreise noch im Morgendunkel den grossen Lerjen an. Die Büchse auf der Achsel und vollständig zur Hochjagd ausgerüstet, vom Schweisse triefend, begegnete er ihm so eilig, als wenn es sehr pressierte. «Wohin, wohin, Lerjen, so im Sturm?» fragte ihn der Pfarrer. «Nach Gredetsch, das weisse Tier holen, koste es was es will!» gab er zur Antwort. «So – das wird dir doch nicht Ernst sein?» fragte wieder der Pfarrer. «Ernst! Ernst!» erwiderte Lerjen. «Nun denn, so lebe wohl, wir sehen einander nicht mehr!» sagte der Pfarrer, drückte ihm noch herzlich die Hand und ging seinen Weg vorwärts.

Abends kam von den Hirten die Nachricht, der Jäger sei in den Gredetschbergen erfallen. Er soll sich vom weissen Tier in die gefährlichsten Felspfade haben verführen lassen und von dort in den schwindlichen Abgrund gestürzt sein. Der unglückliche Lerjen wurde klein zerschmettert gefunden und in einem Leintuche zusammengebunden auf den Kirchhof nach Naters gebracht.

TIPP: Besuchen Sie den Dorfplatz von Eggerberg, der im Jahr 2006 unter dem Motto «Kunst im öffentlichen Raum» neu gestaltet wurde. Dort finden Sie das Wandgemälde, welches auch die hier abgebildete Weisse Gämse zeigt.

In den Rucksack packen und Wandervorschläge erhalten« In meinen Rucksack packen
Votes: 574

Kommentare (0)